Begehrtes Design

Möbel-Klassiker von Ray & Charles Eames bis Verner Panton, Omas Melitta-Kaffeeservice und alte Tapetenmuster haben heute Kult-Status und werden teilweise hoch gehandelt. Wer individuelles Design sucht, sollte sich auf Messen und Online-Auktionsplattformen umschauen.

Das alte Teak-Sideboard, die 60er-Jahre-Schreibtischleuchte und der abgewetzte, lederbezogene Turn-Bock aus Schultagen finden bei jungen, stilbewussten Konsumenten reißenden Absatz. Eine coole Wohnung präsentiert sich heute nicht in Hochglanz, sondern mit echten Schrammen: originell zusammengestellt, mit originalen Accessoires oder Möbeln als Highlight-Zutaten für einen unverwechselbaren Look. Hier verwischen die Grenzen zwischen Kunst und Design – auch, was die Bezugsquellen angeht.

Denn bei seiner Suche nach dem Besonderen muss der moderne Großstadt-Nomade nicht einmal mehr die sonntäglichen Flohmärkte abklappern. Der Trend zum Vintage-Möbel ist längst bei den etablierten Playern der Branche angekommen. Selbst auf den großen Marktplätzen wie etwa der internationalen Einrichtungsmesse imm cologne finden sich Designmarken wie Vitra, Horgenglarus, Thonet, Gubi, e15 oder Classicon, die mit Re-Editionen zeitloser Klassiker oder künstlerisch ambitionierten One-Offs das Herz von Gelegenheits-Jägern und ernsthaften Sammlern höherschlagen lassen, und so mancher Design-Galerist reiht sich gleich direkt bei den Ausstellern der Art Cologne ein.

Wer eher auf Schnäppchen oder seltene Einzelstücke aus ist, kann auf ein zunehmend professionalisiertes Online-Angebot zurückgreifen. Hier lässt es sich entspannt und barrierefrei einkaufen, ganz ohne die alte elitäre Closed-Shop-Atmosphäre. Auch große Online-Auktionsplattformen wie Lauritz oder Auctionata, die einst als Ableger renommierter Kunst-Auktionshäuser ins Netz gegangen sind, haben sich auf Sammler von ausgefallenen Einrichtungsobjekten spezialisiert. Kleinere Häuser wie Pamono, Retrostart, Baxter & Liebchen oder wohnkultur66 spezialisieren sich zudem noch auf eine bestimmte Epoche oder ein Nischen-Sortiment. So stößt man bei zurschoenenlinde.de auf Möbel aus ausrangierten Turngeräten, und im Tapetenkeller.de kann man nach alten Wandkleidern ab den 50er-Jahren stöbern.

Wenn hier auch nicht die ganz großen Summen über den Tisch gehen, so geben laut Online Art Trade Report 2016 des britischen Versicherers Hiscox doch rund ein Viertel der Kunden des Online-Kunstmarktes immerhin 500-1.000 Britische Pfund (rd. 585-1.170 €) für dekorative Kunst und Designobjekte aus (20% bis zu 100 £, 28% 100-500 £, 18% 1.000-5.000 £).

Auch einer der Marktführer unter den reinen Online-Auktionshäusern, die deutsche Plattform Auctionnet.com, kommt in einer unter 10.000 Mitgliedern durchgeführten Umfrage (Mai 2016) zu dem Ergebnis, dass der Großteil der Online-Bieter meistens zwischen 100 und 500 Euro ausgibt, um an gut erhaltene Liebhaber-Stücke für die perfekt gestylte Wohnung zu kommen. 33 Prozent der Käufer gaben als Hauptgrund für Auktionen im Internet an, ein Einzelstück finden zu wollen. Immerhin 27 Prozent sind vorrangig daran interessiert, Schnäppchen zu ergattern. 16 Prozent der Auktions-Liebhaber suchen ganz gezielt nach dem perfekten Designgut oder Kunstgegenstand, der in ihrem Zuhause bisher gefehlt hat.

Die meisten Nutzer von Online-Auktionen kommen demnach aus dem Bereich Inneneinrichtung und haben vor allem Interesse an Möbeln, Kunst und Lampen. Doch es gibt auch viele, die weniger am Designerstück selbst interessiert sind als daran, ihr Zuhause mit einem perfekten Mix aus modernen und praktischen Einrichtungsgegenständen und Vintage-Stücken zur Wohlfühloase zu machen.

Ob hier eher der Bedarf den Markt oder das Online-Angebot die Lust am Ausgefallenen gefördert hat? Egal – Hauptsache, es passt. Zum Menschen wie zur Wohnung.