Jung, innovativ, anders: die neuen Designerinnen

Wer meint, die Möbelbranche sei eine reine Männerdomäne, der irrt: Junge Designerinnen erobern den Markt mit innovativen Entwürfen. Hervorragend ausgebildet, ehrgeizig und kreativ, wächst mit ihnen eine Generation heran, die Trends erkennt und entwickelt und neue Maßstäbe im Interior-Bereich setzt.

Der von der imm cologne ausgelobte Pure Talents Contest bietet Nachwuchstalenten die Möglichkeit, ihre Prototypen einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren und gilt als Karriere-Sprungbrett für junge Kreative.

Elisa Strozyk nahm mit dem Beitrag „Wooden Carpet“ im Jahr 2010 am Pure Talents Contest teil und erreichte das, wovon viele junge Designerinnen träumen: Sie fand einen Produzenten für ihren Entwurf. Das norddeutsche Traditionsunternehmen Böwer stellt ihre „Holzteppiche“ her, die sich neben dem so ungewöhnlichen wie angenehmen Material dadurch auszeichnen, dass sie sich durch die flexible Konstruktion zusammenrollen und aufstellen lassen und in dieser Form skulptural anmuten. Studiert hat Strozyk an einigen der besten Hochschulen: Paris, Berlin und London gehören in ihr Portfolio, wo sie ihren Master am renommierten Central Saint Martins im Fach Future Textile Design erwarb.

Carina Deuschl bewegt sich in den Bereichen Produkt-, Interior- und Möbeldesign und sorgte durch ihre Teilnahme am Pure Talents Contest in diesem Jahr für Aufsehen. Sie überdachte die Badewanne als statisches Objekt, indem sie eine tragbare Konstruktion entwickelte – baden neu definiert. „XTEND“ besteht aus Karbonfaser, wiegt lediglich 7 kg und lässt sich platzsparend zusammenfalten. Gefüllt mit Wasser bietet die weich gefütterte, maschinenwaschbare Textileinlage nicht nur ein neues Badeerlebnis, sondern stellt auch ein Muster handwerklicher Fertigungskunst dar. Kein Wunder also, dass Deuschl dafür mehrere Auszeichnungen erhielt.

Wie Strozyk und Deuschl, so war auch die Französin Aurelie Hoegy unter den Teilnehmerinnen des Pure Talents Contests. 2016 präsentierte sie ihren auffälligen Gewinner-Entwurf „Dancers“, eine Art Hybrid aus Sitzmöbel und Skulptur, der infrage stellt, ob Design überhaupt immer funktional sein muss. Hoegy überholt damit den paradigmatischen Satz „form follows function“ und zeigt, dass Design mit anderen Disziplinen wie Kunst kombinierbar sein kann. Bei „Dancers“ verschmelzen Statik und Bewegung, Stabilität und Fragilität zu einem Objekt. Jenseits klassischer Wohn-Gegenstände fordert „Dancers“ die Wahrnehmung heraus und regt zum Nachdenken darüber an, wie Einrichtung gesehen wird.

Ganz im Gegensatz dazu wirken die Produkte von Anna Badur zart und zurückhaltend. Oft verbirgt sich hinter einem ansprechenden Entwurf eine ungewöhnliche Idee, so zum Beispiel in „Drawn by Nature“: Wind kommt hier zum Einsatz, um Textilien zu bemalen. Er weht blaue Pigmente über das feuchte Material und erzeugt so unvorhersehbare Effekte. Badur arbeitet mit dem Zufall, sie spielt mit unkonventionellen Methoden und erreicht damit so ästhetische wie unerwartete Ergebnisse.

Das Ungewohnte, Ungesehene sichtbar und erlebbar machen, Design mit anderen Disziplinen vereinen, es neu interpretieren, verstehen und umsetzen – keine leichte, aber eine umso spannendere Aufgabe, der sich junge Designerinnen mutig und erfolgreich stellen.