Vielfältige Potenziale: Smarte Materialien im Interior Design

Ein Interview mit Dr. Sascha Peters über intelligente Werkstoffe

„Smarte“ Materialien verändern zunehmend das Interior Design. Sie helfen dabei, die Einrichtung multifunktionaler, flexibler und nachhaltiger zu gestalten. Ein Interview mit dem Materialexperten Dr. Sascha Peters zu den vielfältigen Möglichkeiten innovativer Werkstoffe.

Herr Dr. Peters, „smart“ werden Materialien genannt, deren Eigenschaften sich gezielt verändern lassen. Welche Entwicklung beobachten Sie bei solchen Werkstoffen?
Die Anzahl und Vielfalt von Anwendungen für smarte Materialien ist deutlich gestiegen – also solchen Werkstoffen, die auf äußere Einflüsse und Umweltfaktoren reagieren. Beispiele sind ein auf Wärmeeinflüsse reagierendes Verschattungssystem mit Formgedächtnislegierungen oder ein Schreibtisch, der unter Einsatz einer OPV-Folie (organische Photovoltaik) in der Lage ist, Licht in elektrischen Strom zu überführen.

Was bedeuten solche neuen Materialmöglichkeiten für die Anwendung im Interior Design? Welche Chancen eröffnen sich hier für die Gestaltung?
Die Verwendung von funktionsintegrierten Werkstoffen und ein smarter Materialgebrauch geben Designern und Architekten die Möglichkeit, sehr viel bewusster mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen. Smarte Materialien reagieren automatisch auf sich verändernde Umgebungseinflüsse und handeln in Kontexten von Verschattung, Klimatisierung, Akustik oder Beleuchtung im Sinne des Menschen. Die Raumgestaltung fällt mit diesen Werkstoffen sehr viel schlichter aus. Der Materialeinsatz und damit auch das Gewicht der Systemkomponenten sind reduziert.

„Smarte“ Materialien erfordern innovative Herstellungsarten. Welche interessanten Ansätze gibt es hier und wohin führen diese?
Die interessanteste Entwicklung bei innovativen Produktionsweisen ist zweifelsohne der 3D-Druck bzw. additive Fertigungstechniken. Gemeint sind Verfahren, die nicht auf konventionellen Materialien abnehmenden Prozessen basieren wie beim Fräsen, Drehen oder Bohren sondern auf Material aufbauend funktionieren. Der große Vorteil dieser Techniken ist, dass sich selbst komplexe Bauteilgeometrien mit inneren Hohlraumstrukturen umsetzen lassen, die sich auf keine andere Weise erzeugen lassen. In Kombination mit den Möglichkeiten der Digitalisierung und des Datentransfers über das Internet scheinen wir der individualisierten Fertigung von Produkten ein Stück näher zu kommen.

Neben nachhaltigen Lösungen nimmt auch die Verträglichkeit der Materialien an Bedeutung zu. Was können „smarte“ Materialien zur Gesundheit beitragen?
Smarte Materiallösungen kommen überall dort zum Einsatz, wo sie positiven Einfluss auf die Raumakustik haben, die Stressbelastung von Personen im Raum reduzieren oder z.B. durch Veränderung der Lichtfarbe direkten Einfluss auf das Wohlbefinden nehmen. Es wurden auch Materialien entwickelt, die unter Abgabe natürlicher Aromastoffe die Herzschlagrate reduzieren. Insbesondere zur Klimatisierung von Räumen bei extremen Witterungsbedingungen weisen smarte Materialien erhebliche Potenziale auf.

Dr. Sascha Peters ist Gründer und Inhaber von Haute Innovation – Agentur für Material und Technologie in Berlin. Auf der internationalen Leitmesse ORGATEC, die vom 25. bis zum 29. Oktober 2016 in Köln stattfindet, gestaltet Haute Innovation die Sonderfläche „Smart Office Materials“. Gezeigt werden innovative und intelligente Werkstoffe für die Arbeitsumgebung.