Möbelmarkt profitiert von der neuen Lust am schönen Wohnen

Der Wille zur Individualisierung prägt unseren Alltag und treibt unsere Wirtschaft. Der Trend, die eigenen Bedürfnisse in den Fokus zu stellen und sich ein unverwechselbares Profil zu geben, macht auch vor dem Zuhause nicht halt. In Gegenbewegung zur Digitalisierung und zur Schnelllebigkeit des Alltags richten wir unser Domizil als unsere private Wohlfühloase ein. Ein Rückzugsort, in dem individuelles Wohlempfinden durch schönes, funktionales Design unterstützt wird.

Die Lust am schönen Wohnen ist nicht wirklich neu. Doch je bedrohlicher die Menschen ihre Umwelt empfinden, desto mehr steigt für sie der Wert eines Geborgenheit versprechenden Zuhauses. Gleichzeitig mit einem diffusen Gefühl der Bedrohung ist aber auch das Vertrauen in die eigene wirtschaftliche Stärke gestiegen – anscheinend eine Kombination, die den Einrichtungsmarkt stärkt und die Lust am schönen Wohnen nachhaltig erneuert.

Der Möbelmarkt: Ein Rückblick in Zahlen
In den letzten zwei, drei Jahren nun ist die neue Lust am schönen Wohnen auch bei den Möbelherstellern und Einrichtungshäusern angekommen. Das spiegelt sich deutlich in den Zahlen wider: Der deutsche Möbelmarkt verzeichnete 2015 einen Umsatz von 19,9 Milliarden Euro. Das gelang dem Markt zuletzt im Jahr 2003.

Im ersten Halbjahr 2016 lagen die Umsätze der deutschen Möbelindustrie bei 8,9 Mrd. Euro und damit um 4,9 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Axel Schramm, Präsident des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, erklärte bei der Jahres-Wirtschaftspressekonferenz des Verbandes im August, dass Möbel „Made in Germany“ einen besonderen Stellenwert genießen. Ungefähr ein Drittel (31,7 Prozent) der deutschen Möbel geht direkt in das Ausland. Diese Quote hat sich seit der Jahrtausendwende insgesamt verdoppelt. Dabei ist die imm cologne als die wichtigste Einrichtungsmesse in Deutschland ein zentraler Impulsgeber für Design-Trends der Branche und eine unverzichtbare, internationale Plattform für den Handel.

Aber nicht nur Fachbesucher aus aller Welt pilgern im Januar nach Köln: Auch Wohnliebhaber und Design-Fans haben längst die Messe für sich entdeckt. Sie informieren sich hier gezielt über Produktneuheiten und suchen nach den neusten Inspirationen für ihr eigenes Zuhause. Davon gibt es traditionell in den Designsegmenten besonders originelle. Doch neben einem starken Orientierungsangebot im Bereich Sleep finden Besucher auch in den Smart-Hallen 7 und 8 schnell Passendes für konkrete Einrichtungsideen. Zudem soll dieser Bereich in den nächsten Jahren verstärkt weiterentwickelt werden. Ziel der Koelnmesse ist es, hier besonders für die exportorientierten Unternehmen ein einzigartiges Sprungbrett in eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft zu schaffen.

Globalisierung des Möbelmarkts als Chance
Einige Möbelhersteller stehen der Globalisierung des Möbelmarktes noch etwas skeptisch gegenüber. Chancen und Risiken scheinen dabei nicht immer in der Balance. Für die imm cologne ist es hingegen eine große Chance. Jedes Jahr kommen Möbelproduzenten aus der ganzen Welt nach Köln, um Handel, Besuchern und internationalen Medienvertretern ihre Produktneuheiten vorzustellen. „Insgesamt rechnen wir mit 1.300 Ausstellern aus 50 Ländern für das Messedoppel imm cologne und LivingKitchen. Der Auslandsanteil bei den Ausstellern liegt heute bei rund 70 Prozent. In Köln handelt die Welt mit Deutschland, immer noch einer der stärksten Absatzmärkte der Welt. Aber hier handelt auch immer mehr die Welt mit der Welt. Schon jetzt kommen mehr als 40 Prozent unserer Besucher aus dem Ausland, und jedes Jahr werden es mehr“, so Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse GmbH.

Auf der Messe werden auch kommende „Stars“ der Möbelszene geboren, die anschließend ihren Siegeszug auf den Weltmärkten antreten. Produktdesigner wie Sebastian Herkner, der im Januar 2016 als Guest of Honor „Das Haus – Interiors on Stage“ entwarf, stellte mit seinem Haus nicht nur seine Zukunftsidee für modernes Wohnen vor. Er zeigte in der komplett ausgestatteten Wohnraum-Inszenierung auch erstmalig seine Produktneuheiten wie beispielsweise die Mbrace Outdoor-Kollektion von Dedon, eine Leuchte von Pulpo oder ein Bett von Schramm. Im Januar 2017 wird mit Todd Bracher ein New Yorker Designer seine Wohnvisionen und Produktideen in „Das Haus“ präsentieren und damit eine kulturelle wie ästhetische Brücke über den Atlantik schlagen.

Im Designbereich wird die imm cologne 2017 mit Gloster, Nanimarquina, Möller Design, Roche Bobois oder Meridiani einige interessante Neu-Aussteller präsentieren. Auch junge Marken wie Design House Stockholm haben die Einrichtungsmesse als Branchen-Highlight für sich definiert: Das skandinavische Label stellt 2017 erstmalig auf der imm cologne aus, um das internationale Netzwerk der Messe für sich zu nutzen und dem Publikum seine markanten Designs zu präsentieren. Vielleicht schaffen ihre innovativen Möbelstücke nach der Präsentation auf der imm cologne dann auch den Sprung in unsere Wohnzimmer.

Gute Prognose
Die Möbelexperten vom IFH Institut für Handelsforschung Köln und der BBE Handelsberatung Köln erwarten für den Möbelmarkt 2016 ein Plus von gut zwei Prozent, sodass das Gesamtmarktvolumen auf rund 20,3 Milliarden Euro steigen wird. Gute Aussichten also für die Möbelhersteller, die eine internationale Expansion anstreben. Die neue Lust am schönen Wohnen erweist sich als nachhaltig. Darauf lässt sich bauen.